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Vereinshistorie

125 Jahre MGV Fredeburg

Das Protokoll der Gründungsversammlung vom 30. November 1875 verzeichnet 21 aktive und 12 passive Mitglieder. Der erste Vorstand des Vereins bestand aus folgenden Mitgliedern:

  • 1. Vorsitzender: Kreisrichter Schnitzler
  • Dirigent: Lehrer Johannes Wüllner
  • Kassierer: Uhrmacher Julius Lüffe
  • Schriftführer: Postassistent Möller

Die Statuten nennen als Vereinszweck die Förderung und Hebung des Gesangs, wozu " Lieder sowohl des geselligen, als auch patriotischen und kirchlichen Inhalts" eingeübt werden sollten. Zunächst fanden wöchentlich zwei (!) Übungsabende statt. Geprobt wurde in den ersten Jahren im Saale des damaligen Gasthauses Schulte-Hömberg, jenem Hause, in dem sich heute die Burg-Apotheke befindet. Die Aufnahme der Mitglieder erfolgte nach den Regeln der Ballotage mit weißen und schwarzen Kugeln. Schwarze Kugeln verneinten die Aufnahme des Kandidaten. Dieser Brauch wurde erst in der Jahresversammlung vom 28. Februar 1934 abgeschafft. Seitdem wurde nach Stimmprobe durch den Dirigenten über die Aufnahme abgestimmt. Heute wird auf ein förmliches Aufnahmeverfahren verzichtet. Jeder neue Sänger macht ein paar Proben mit , um sich stimmlich einordnen zu können.
Bereits ein Jahr nach der Vereinsgründung beschreibt das Protokoll ein Problem, welches leider bis auf den heutigen Tag nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat: Der spärliche Besuch der Gesangsstunden. Geradezu drakonisch mutet zu diesem Thema der Vorstandsbeschluss vom 1. Juni 1932 an: nach dreimaligem Fehlen wird der Sänger aus der Liste der aktiven Vereinsmitglieder gestrichen. In den Unterlagen finden sich ausführliche schriftliche Entschuldigungen der fehlenden Sänger.

Die Aufzeichnungen über das Vereinsleben von 1890 bis 1908 sind verschollen. Schon im Jahre 1911 fand am Rosenmontag im Vereinslokal ein Fastnachtskränzchen des gesamten Vereins statt. Im Jahre 1928 fand diese Veranstaltung in der Schützenhalle statt, wobei die Teilnehmer gebeten wurden, neben Tassen auch einen gekennzeichneten Stuhl mitzubringen, falls man bequem sitzen möchte. In den fünfziger und sechziger Jahren fand das Fastnachtskränzchen dann wieder im Vereinslokal statt.

In der Zeit des ersten Weltkrieges bis zum Herbst 1919 ruhte das Vereinsleben. Die erste Hauptversammlung nach dem Kriege fand am 12. September 1919 statt. Die wichtigsten Beschlüsse waren die Wiederaufnahme der Übungsabende ab dem 1. Oktober jeweils mittwochs um 20.30 Uhr im Vereinslokal und der Verzicht auf die noch aussstehenden Beiträge der abgelaufenen Jahre 1913-1918. Für das ganze Jahr 1919 sollte ein Beitrag erhoben werden. 1920 wird der MGV Mitglied des Sängerbundes "Oberer Lennegau". Für diesen Sängerbund richtete der MGV 1925, 1934, 1950 und zuletzt 1964 das Bundesfest aus. Im Januar 1921 wurde die Vereinsfahne angeschafft. 1923 wurde der Vorstand erweitert. Die Leitung des Vereins wurde unterstützt durch einen stellvertretenden Vorsitzenden, einen 2. Schriftführer und zwei Beisitzer im Vorstand. Im Jahre 1927 erreichte der Verein seinen größte Zahl an Mitgliedern: 60 aktive Sänger!

Im Jahre 1933 kam es mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten auch zu Veränderungen im Leben des MGV. In einer außerordentlichen Generalversammlung am 13. September 1933 wurde laut Protokoll die Gleichschaltung des Vereins nach dem Führerprinzip vorgenommen. Es erfolgte eine Neuwahl des ersten Vorsitzenden und dieser bestimmte nach dem Führerprinzip die weiteren Mitglieder des Vorstandes. Allerdings wurden die traditionellen Vereinsstrukturen weitgehend übernommen. Der Vorsitzende des Vereins wird jetzt Vereinsführer genannt und muß ebenso wie alle anderen Vorstandsmitglieder der NSDAP oder einem artverwandten Verband angehören und arischer Abstammung sein. Der Vorstand musste vom Ortsgruppenleiter der NSDAP bestätigt werden. Mit der Gleichschaltung verbunden war ein Beitritt zum deutschen Sängerbund, der aber erst nach Anmahnung im Juni 1934 vollzogen wurde. Der Aktivität des Vereins scheint dieses Vorgehen nicht gedient zu haben, denn im Herbst 1933 mußten mehrere Proben wegen mangelnder Beteiligung der Sänger ausfallen. Der Vorsitzende kündigte- ganz im Stile der damaligen Zeit- an, mit "aller Härte" gegen die säumigen Sänger vorzugehen. Schon im Jahre 1938 konnte die Vereinstätigkeit nur noch sehr eingeschränkt aufrechterhalten werden, da kein Chorleiter zur Verfügung stand. Im Februar 1939 konnten die wöchentlichen Gesangsabende dann wieder durchgeführt werden. Der zweite Weltkrieg brachte das Vereinsleben zum Erliegen.
Der Verein existierte offiziell weiter. Die Akten zeigen für jedes Kriegsjahr noch eine Bestandsmitteilung an den deutschen Sängerbund. Dort werden die Sänger namentlich erwähnt, die zum Kriegsdienst eingezogen waren (insgesamt 12 aktive Sänger). Gefallen ist der Sangesbruder Paul Stratmann. Die Beiträge an den Sängerbund wurden jedes Jahr eingefordert, sogar noch im Herbst 1944 ( 1,30 RM für jedes der 13 gemeldeten Mitglieder).

Nach dem Ende des schrecklichen Krieges trafen sich am 25. Januar 1946 10 Sänger zu einer ersten Besprechung im Vereinslokal, deren Ziel es war, den Verein wieder aufleben zu lassen. Die erste Jahreshauptversammlung fand am 1. Oktober 1946 im Vereinslokal Nitschke statt. Eingeladen zu einer Aussprache hatte der damalige Schriftführer Georg Hömberg. Nur 8 Sänger folgten dieser Einladung. Im Verlauf des Jahres 1946 hatte sich der Vorsitzende Franz Happ bemüht, den ehemaligen Fredeburger Lehrer Raffenberg als Chorleiter zu gewinnen und seine erneute Versetzung nach Fredeburg zu unterstützen. Diese Problematik beherrschte auch die Generalversammlung. Sämtliche Sänger, auch die nicht bei der Versammlung erschienenen, unterzeichneten am 6. Oktober eine entsprechende Entschließung zwecks Versetzung des Herrn Raffenberg nach Fredeburg, die an den Regierungspräsidenten in Arnsberg geschickt wurde. Da kein Chorleiter gefunden werden konnte, ruhte die Vereinstätigkeit. Erst auf der Generalversammlung am 10. Juli 1947, zu der 14 Sänger erschienen waren, konnte Peter Bartmann als Dirigent vorgestellt werden. Der Jahresbeitrag sollte nun 3,60 RM pro Jahr betragen und ab dem 16. Juli sollte wieder wöchentlich ein Gesangsabend im Vereinslokal stattfinden. Dies ließ sich realisieren und es konnten bis zum Jahresende noch 24 Übungsabende, die ordentlich besucht waren, durchgeführt werden. Die Sänger waren angehalten, aus ihrem jeweiligen Bekanntenkreis insbesondere jüngere Sänger anzuwerben. Aus bescheidensten Anfängen entwickelte sich bald wieder ein reges Vereinsleben. Am 13. Juni 1948 konnte ein Konzertabend mit dem Pianisten Arthur Laux aus Hagen in der DLA durchgeführt werden. Es traten im Jahre 1947 siebzehn neue Sänger dem Verein bei. Auch am 15.6.1949 konnten 10 neue aktive Sänger begrüßt werden. Das Jahr 1950 stand im Zeichen des 75-jährigen Vereinsjubiläums. Dieses wurde am 27. August 1950 im Zusammenhang mit dem Bundesfest des Sängerbundes "Oberer Lennegau" gefeiert. Am Festzug nahmen 13 Gastvereine teil. Die Stadt Fredeburg stiftete eine handgestickte, mit Widmung und Wappen versehene Schleife zur Vereinsfahne. Im Sommer 1954 wurde ein neues Klavier angeschafft. Eine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung kennzeichnet die fünfziger und sechziger Jahre. Laut Westfalenpost vom 16. Februar 1965 lag das Durchschnittsalter der aktiven Sänger bei 30 Jahren! Zum 100-jährigen Bestehen fand am 25. Oktober 1975 ein anspruchsvolles Konzert unter der Leitung von Chordirektorin Anneliese Ebbeken in der Aula der DLA zusammen mit dem Essener Polizeiorchester statt. Am 25.4.1976 wurde dem MGV in Wuppertal aus der Hand des damaligen NRW- Kultusministers Jürgen Girgensohn die Zelter-Plakette verliehen. In diesem Jahr konnte der Verein im neu errichteten Fredeburger Kurhaus sein 100-jähriges Jubiläum dann offiziell nachfeiern.

Die heute noch gültige Vereinssatzung stammt aus dem Jahre 1979. Der Vorstand besteht aus dem ersten und zweiten Vorsitzenden, dem Schriftführer, dem Kassenwart, dem Notenwart und zwei Beisitzern, die nach zweijähriger Amtszeit nicht sofort wiedergewählt werden können. Hierdurch sollen immer neue Ideen in die Vorstandsarbeit einfließen.

Als Vorsitzende des Vereins haben fungiert:

  • Kreisrichter Schnitzler
  • von Ascheberg 1910-1923
  • Anton-Wilhelm Vogt 1923-1933
  • Franz Happ 1933-1957
  • Paul Siepe 1957-1974
  • Fritz Tigges 1975-1989
  • Ferdinand Föster 1989-1994
  • Bernd Berels 1994-2008
  • Dr.Martin Steppeler seit 2008

Die Dirigenten des Vereins waren:

  • Johannes Wüllner 1875-1890
  • Albert Siepe 1891-1910
  • Carl- Josef Wahle 1892
  • Franz Dempewolff 1910-1947
  • Peter Bartmann 1947- März 1950
  • Willi Weiser Mai 1950- Dezember 1951
  • Ferdinand Kamender Februar 1952-31.5.72
  • Heinz Kramer September 1972- Juli 1974
  • Frau Anneliese Ebbeken 12. 9. 74- April 1981
  • Rainer Zingler 7.5.81 - November 1997
  • Gerd Gutowski 27.11.97- März 2003
  • Thomas Weidebach März 2003- Juni 2010
  • Siegfried Knappstein seit August 2010

Als Vereinslokale dienten bis 1957 die Gastwirtschaft Nitschke ( heute "Schaukelstuhl"). Ab Mai 1957 wechselten die Sänger ins " Hotel zum Rathaus". Schon seit 1965 sind die Sänger jetzt in "Guntermanns Stuben" beheimatet.